Seelsorge in neuen Strukturen
Informationen zum Prozess "Seelsorge in neuen Strukturen" und was das für unsere Gemeinden in der Seelsorgeeinheit bedeutet
Liebe Gemeindemitglieder,
unsere Kirche befindet sich in einer Zeit des Wandels. Vieles, was über Jahrzehnte gewachsen und vertraut war, verändert sich – manchmal leise, manchmal deutlich spürbar. In dieser Situation hat unsere Diözese Rottenburg-Stuttgart den Prozess „Seelsorge in neuen Strukturen“ auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die pastorale Arbeit auch in Zukunft verlässlich, lebendig und nah bei den Menschen zu gestalten.
Bereits im vergangenen Jahr hat der Diözesanrat beschlossen, die bisherigen Strukturen weiterzuentwickeln. Aus bisher 1020 Kirchengemeinden sollen 50 bis 80 größere Gemeinden gebildet werden. Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen. Sie ist eine Antwort auf verschiedene Entwicklungen: sinkende Kirchensteuereinnahmen, weniger hauptamtliches Personal sowie tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, die auch unser kirchliches Leben prägen.
| Mitgliederzahl | Kirchensteuer | Pastorales Personal |
|---|---|---|
| Bis 2040 voraussichtlich 23% bis ca. 32% weniger Mitglieder | Bis 2035 erwarteter Rückgang von 24% bis 27% Bis 2040 erwarteter Rückgang von 32% bis 36% | Bis 2040 insgesamt ca. 50% Rückgang in allen pastoralen Berufsgruppen |
Gleichzeitig liegt in diesem Prozess auch eine Chance: die Möglichkeit, Kirche neu zu denken, Kräfte zu bündeln und gemeinsam neue Wege zu gehen – getragen vom Glauben und von der Verantwortung füreinander.
Was bedeutet das konkret für uns?
Die bisherigen Gemeinden werden in größeren sogenannten „Raumschaften“ zusammengeführt. Diese neuen Einheiten sollen Zusammenarbeit stärken, Ressourcen sinnvoll einsetzen und gleichzeitig Raum für lebendiges Gemeindeleben vor Ort lassen.
Der Zeitplan sieht vor:
- Januar 2026: die Dekanatsleitung bildet eine Steuerungsgruppe; Information an alle Gremien über das Verfahren zur Umschreibung der Raumschaften und Einladung zu (online) Informationsveranstaltung (Jan. – Feb.).
- Bis April 2026: der Gemeinsame Ausschuss der Seelsorgeeinheit entwickelt in Abstimmung mit den Kirchengemeinderäten einen ersten Vorschlag auf Ebene der Seelsorgeeinheit.
- Bis Ende 2026 wird der Bischof die zukünftigen Raumschaften festlegen.
- Ab 2027 beginnt die konkrete Umsetzung und rechtliche Umschreibung der Gemeinden.
- Bis spätestens 2030 sollen die neuen Strukturen vollständig entwickelt und umgesetzt sein.
Ein zentrales Element ist dabei das Modell „Union“. Dieses bedeutet, dass mehrere bisher eigenständige Gemeinden zu einer neuen gemeinsamen Gemeinde zusammengeführt werden. Dabei wird eine dieser Gemeinden die rechtliche Stellung als Körperschaft des öffentlichen Rechts übernehmen. Die anderen Gemeinden gehen rechtlich in dieser neuen Einheit auf. Hierbei kann der Name dieser Gemeinde übernommen werden oder auch ein ganz neuer Name besprochen werden.
Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen: Das kirchliche Leben vor Ort soll weiterhin sichtbar und erfahrbar bleiben. Kirchorte, Gruppen und gewachsene Gemeinschaften behalten ihren Platz im Alltag der Gläubigen. Die Zusammenarbeit wird jedoch enger organisiert, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und Verantwortung wird stärker geteilt. So entsteht eine größere Einheit, die nach außen hin als eine Gemeinde auftritt, während weiterhin vielfältiges Gemeindeleben in den einzelnen Kirchorten möglich ist.
Uns ist sehr bewusst: Veränderungen wie diese können Fragen, Unsicherheiten und auch Sorgen auslösen. Vielleicht fragen Sie sich, was aus Ihrer vertrauten Gemeinde wird, wie sich das kirchliche Leben vor Ort verändert oder welche Rolle Sie selbst künftig darin haben.
Gerade deshalb ist es uns als Ihr Kirchengemeinderat ein großes Anliegen, diesen Weg nicht nur organisatorisch, sondern vor allem menschlich und geistlich zu begleiten. Wir möchten zuhören, im Gespräch bleiben und gemeinsam mit Ihnen nach guten Wegen suchen.
Wir versichern Ihnen: Ihr Kirchengemeinderat beschäftigt sich intensiv mit diesem Prozess und bringt sich aktiv ein. Wir werden darauf achten, dass die Anliegen unserer Gemeinde gehört werden und dass die Entwicklungen transparent bleiben.
Wir werden Sie Schritt für Schritt über alle wichtigen Veränderungen informieren. Weiterführende Informationen finden Sie bereits jetzt unter https://seelsorge-in-neuen-strukturen.drs.de/
Ein weiterer gleichzeitig laufender Prozess „Räume für eine Kirche der Zukunft“ zielt darauf ab, die beheizten Flächen in jeder Seelsorgeeinheit um 30 % zu reduzieren. Im Fokus sind dabei zunächst die nichtsakralen Gebäude (Gemeindehäuser, Pfarrhäuser, Kindergärten, Wohngebäude). Die Umsetzungsphase dieses Prozesses beginnt 2027. Dieser Prozess wird ebenfalls getrieben durch die sinkenden Mitgliederzahlen und die sinkenden Kirchensteuereinnahmen.
Zugleich laden wir Sie herzlich ein: Kommen Sie mit Ihren Fragen, Gedanken oder auch Sorgen jederzeit auf uns zu. Der Wandel unserer Kirche kann nur gemeinsam gelingen – im offenen Austausch, im gegenseitigen Vertrauen und im festen Glauben daran, dass Gott uns auch auf neuen Wegen begleitet.
Vielleicht ist gerade diese Zeit eine Einladung, unseren Glauben neu zu entdecken und als Gemeinschaft enger zusammenzuwachsen. Nicht alles wird bleiben, wie es war – aber vieles kann neu entstehen, wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen. Lassen Sie uns daher mit Zuversicht, Geduld und Vertrauen nach vorne schauen und gemeinsam an einer lebendigen und zukunftsfähigen Kirche bauen.
Herzliche Grüße
Ihr Kirchengemeinderat


