Ein Versprechen zu Fronleichnam

"Nehmt und esst, nehmt und trinkt, das bin ich für euch!"

Der wunderschöne Blumenteppich vor unserer Kirche St. Clemens hat uns mit bunten Blütenblättern gesagt: "Ja, es ist Fronleichnam, auch wenn dieses Jahr alles anders ist, und wir sogar den Gottesdienst in der Kirche feiern müssen." Frau Romanno, Frau Freitag und Frau Saggio haben ihn gelegt. Pater Gasto hat uns wie immer in eine lebendige und festliche Feier mitgenommen und unsere Gemeindereferentin Claudia Vogelmann hielt eine Predigt, die erklärt, tröstet und verspricht. Sie können sie hier nachlesen.

Fronleichnam, als Fest der Eucharistie bietet eine gute Gelegenheit, sich einmal mit dem Sinn des Einlegens der Hostie vor dem Gottesdienst zu befassen, denn dabei geht es in gewisser Weise jede Woche um den Mittelpunkt unseres Fronleichnamsfestes.
Diese Tradition ist in unseren Gemeinden in Rutesheim und Weissach im Moment zwar nicht möglich, wird jedoch nach Corona wieder aufgenommen werden.
Üblicherweise legen wir, wenn wir zur Kommunion gehen möchten, beim Betreten der Kirche vor dem Sonntaggottesdienst eine Hostie in die Schale.
Dies ist nicht zum Zählen gedacht,  sondern dieses Einlegen der Hostie hat einen tiefen Sinn.
Wenn wir zum Gottesdienst kommen, dürfen und sollen wir unsere Alltäglichkeiten, Nöte und Sorgen mit hineinnehmen und Gott vertrauend hinhalten, der uns voller Liebe annimmt, wie wir sind.
So können wir beispielsweise beim Einlegen der Hostie beten:
Guter Gott, ich bringe dir heute meine Freuden, meine Sorgen, meine Hoffnungen, meine Ängste.“ Wandle und heile du, was mich belastet. Schaffe du Friede, wo Unfriede ist.
Indem wir uns in dieser Weise ganz vor Gott bringen, bewusst in seine Hände legen, was uns belastet, können wir frei werden zum Gebet, zum Empfang der Vergebung und zum Hören des Wortes Gottes.
Das Leben jedes Einzelnen von uns in unserer Alltäglichkeit wird so Bestandteil des Gottesdienstes.
Wir sind deshalb auch nicht nur Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes sondern Mitfeiernde.
Wir feiern miteinander, als Gemeinschaft unseren Glauben an unseren menschfreundlichen und liebenden Gott.
Wenn die Ministrantinnen und Ministranten  dann die Hostienschale bei der Gabenbereitung zum Altar bringen, geht somit das Leben von uns allen in die Mahlfeier ein.
Wir hören bei der „Wandlung“, wie es Jesus mit seinem Leben ergangen ist, in der Nacht, in der er verraten wurde.
Das ganze Elend, der Hass der Feinde, die Angst, der Wankelmut und die Manipulierbarkeit des Volkes.
Wir erfahren weiter, dass Jesus diese Not, dieses Leid, die Angst und seinen Tod, angenommen und durch seine grenzenlose Liebe gewandelt hat.: „Ich gebe mein Leben für euch ‑ so sagt Jesus uns zu. Nehmt und esst, nehmt und trinkt, das bin ich für euch“.
Es ist an dieser Stelle als ob Jesus sagen würde‑ „Lass deine Sorgen, dein Leben nicht außen vor. Bring es mir. Das ist mir wichtig. Du bist mir wichtig!
Brot und Wein, Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Ich will sie für dich und für alle verwandeln in meinen Leib, in mein Blut,  in Kraft und Zuversicht, in Frieden und Gerechtigkeit, in Segen und Heil.
Ich öffne dir und euch allen die Tür zum wahren Leben und schließe einen Bund für alle Zeit.
Wie viel Liebe Jesu zu uns Menschen, zu jedem von uns steckt in diesem Handeln!
Durch die Wandlung am Altar und durch den Empfang der Kommunion werden also auch wir gewandelt, erfahren dieses Heil und den Segen für unser Leben und sind damit ein Teil von Jesus.
Wir von ihm und Jesus ist ein Teil von uns, von unserem Leben!
Jesus ist da, für uns - und - wie wir in den Wandlungsworten immer wieder hören – für alle Menschen. Ohne Ausnahme.
Das ist manchmal nicht ganz einfach auszuhalten, bei den menschenverachtenden und machtgierigen Aktionen, von denen wir weltweit hören.
Dieser Gedanke führt durchaus oft zu Diskussionen.
Und dennoch: Bei der Wandlung erfahren wir im Hochgebet: „Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Brot war, ist und wird es auch in Zukunft sein: Grundnahrungsmittel und somit auch Symbol für das Leben,
Zeichen für das, was lebens-not-wendig ist,
Bild für das Wesentliche in unserem Leben.
Manchmal merken wir ja erst, was wirklich lebens-not-wendig, was wirklich wesentlich für uns ist, wenn wir so, wie in den letzten Wochen und teilweise immer noch darauf verzichten müssen.
Soziale Kontakte waren und sind seit Corona auf ein Minimum reduziert oder entfallen ganz.
Für viele Menschen ist dadurch im Laufe der Wochen eine persönliche Notsituation entstanden.
Wenn das Notwenige in unserem Leben – für unseren Körper oder unsere Seele fehlt, geht es uns nicht gut. Eine Weile halten wir durch und dann wird der Mangel spürbar. Körper und / oder Seele werden krank.
im Tagesevangelium hörten wir, wie Jesus von sich selbst sagt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“

Wenn du einen solchen Hunger hast nach Leben, nach sinnerfülltem Leben, komm zu mir. Wenn es dir schlecht geht, dich Ängste, Sorgen , Krankheit, Trauer oder was auch immer niederdrücken, komm zu mir.
Ich führe dich in die Freiheit aus deiner persönlichen Knechtschaft, aus der Lieblosigkeit, aus Ängsten, aus den Verwicklungen, in die du dich verstrickt hast.
Durch alle Brüche unseres Lebens, in allen Ängsten, in Krisenzeiten, will Jesus da sein, unser Leben teilen, mit uns gehen.
Auch jetzt, - in dieser unsteten Corona Zeit.
Wenn wir dieses lebensspendende Brot, den Leib Christi, essen, teilhaben an ihm, uns von Jesus mit Segen, mit Leben, mit Heil und mit einem liebevollen Herz erfüllen lassen, dann können und sollen wir selbst zum Brot für andere werden.

Christ sein bedeutet ja, Gabe und Aufgabe. Unsere von Gott geschenkten Gaben für andere einzusetzen.
Keiner von uns kann die Welt retten, aber wenn wir hinschauen, wo Not ist und ändern, wo dies in unserer Macht steht, dann wird eines unserer Gottesloblieder lebendig, in dem es heißt:
Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot,
wenn alle, die uns sehen, wissen:
Hier lebt Gott:
Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt,
Jesus Christ, du erneuerst unsre Welt

Lassen wir uns voller Freude erfüllen, von unserem lebendigen, uns zugewandten Gott. Laden wir ihn bewusst ein, Teil unseres Lebens und unseres Alltags zu sein. Vertrauen wir ihm – absolut Wir müssen uns nicht allein abstrampeln. Gott möchte uns helfen und er wird uns helfen. Jeder und jedem, die oder der ihn darum bittet.
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ Sagt uns Jesus an anderer Stelle zu.
Jesus ist da! Bei uns und in uns und bei all den Menschen, die seine Liebe mit Freude im Herzen, mit Hand und Fuß weitergeben.
Über alle Konfessionsgrenzen und alle Ländergrenzen hinaus.

(Claudia Vogelmann, zu Fronleichnam am 11. Juni 2020)