Die Renninger Krippe in der Martinus-Kirche in Malmsheim wird in diesem Jahr zum 40. Mal aufgebaut. Sie ist Anziehungspunkt für Menschen aller Altersschichten, Konfessionen und Religionen aus der
ganzen Region Stuttgart und darüber hinaus.
In jedem Jahr stellen wir die Krippe unter ein anderes Thema. Von der weihnachtlichen Botschaft gehen wir hinein in unsere Welt und Zeit, rückblickend auf Kultur und Geschichte, auf aktuelle eltereignisse und Gegenwartsprobleme.

In diesem Jahr steht die Krippe unter dem Thema

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen

Zu allen Zeiten fühlten sich die Menschen durch den Anblick von Bergen beeindruckt und zu religiösen Vorstellungen angeregt. Die wuchtige Masse der Berge imponiert als Bild und Ausdruck einer höheren Macht. Auf Höhen errichteten viele Völker ihre Kulturstätten, Berge gelten als Wohnsitz der Götter. Wir möchten in diesem Jahr die Krippe mit Bergen in Verbindung bringen, die für die Menschheitsgeschichte von Bedeutung sind. Über Bethlehem erhebt sich auch heute noch ein mächtiger Berg. Bereits der Prophet Jesaja sagt: „Kommt lasst uns hinaufziehen zum Berge des Herrn.“ (Jes 2,2).

Altarraum

Im Altarraum sieben Berge, die zur Geschichte der Welt gehören:
- Sinai – wo die Gebote den Menschen gegeben worden sind
- Akropolis – über die Griechen kamen die demokratischen Werte in unsere Welt
- Kapitol – durch die Römer wurden die Rechtsordnungen weltweit festgelegt
- Monte Casino – der Berg Europas, wo mit Benedikt und den ihm folgenden Mönchen die Grundlagen für das Christentum in unserem Kontinent gelegt wurden
- Wartburg mit Wittenberg - mit der Reformation wurde dieser Ort prägend für unser ganzes Land
- Württemberg – so wird der Rotenberg in unserem Land genannt, unterhalb des Berges hat Gottlieb Daimler in Bad Cannstatt das erste Auto der Welt erfunden. Ohne Autos ist die Welt nicht mehr
vorstellbar.
In der Mitte dieser sechs Berge ist der Berg von Bethlehem mit der Krippe zu sehen, im Hintergrund Golgota. Dies ist nicht nur ein Hinweis auf das weihnachtliche Geschehen, sondern bedeutend für alle Völker der Erde.

Seitenwände

An einer der Seitenwände sind berühmte Berge der Welt zu sehen: Fuji, Kilimandscharo, Tafelberg, Drei Zinnen, Matterhorn, Eiger Nordwand, Montblanc, Olymp, Mount Everest.
Auf der anderen Seite Berge aus unserer schwäbischen Heimat:
Rosenstein, Lichtenstein, Hohenzollern, Weibertreu, Wurmlingen, Dreifaltigkeitsberg, Feldberg, Hohenstaufen, Rechberg.
Darunter Szenen, die zeigen wie Schwierigkeiten im Alltag, Bergen gleich, überwunden werden können.

Hinterer Teil

Im hinteren Teil der Kirche gleich am Eingang, gehen wir auf die Berge der Bibel ein: Tempelberg, Berg der Seligpreisungen, Berg der Brotvermehrung und Ölberg.

Eingang zur Kirche

Im Freien, im Eingangsbereich der Kirche, wird ein Rückblick gegeben auf 40 Jahre Krippe.

Krippenopfer

Mit dem Krippenopfer soll Kindern weltweit geholfen werden, vorrangig in Afrika und Asien.

Die Krippenleidenschaft von Pfarrer Franz Pitzal

Artikelauszug aus der  Remszeitung vom 12.11.2009

LORCH / RENNINGEN (bt). Ein Schulbub war Franz Pitzal, als er sich selbst den größten Wunsch erfüllte: Er schenkte sich eine Krippe. Ein ums andere Mal sah man den Jungen in den 40er-Jahren mit Milchkannen durch Leinzell gehen – der Gang zum Milchhäusle brachte so manchen „Kreuzer“, selbstverdientes Geld, das er nicht in Zuckerstangen investierte oder in Cowboygeschichten, sondern zum längst verstorbenen Karl Lang trug, der ihm dafür Krippenfiguren schnitzte.

Den Stall hat er damals selbst gebaut, unter anderem mit Hilfe großer, aus der Lein gefischter Wurzeln. Diese Wurzeln sind verloren gegangen, was Pfarrer Pitzal sehr bedauert: „Ich werde nie wieder zur Lein hinabsteigen und nach Wurzeln suchen können“; die restliche Krippe aber, mittlerweile 60 Jahre alt, ist im Renninger Krippenmuseum zu bewundern. Und Franz Langs Figuren dienten vor nunmehr 30 Jahren als Vorlage für den Grundstock der Renninger Krippe, die alle Jahre wieder rund 50 000 Besucher zählt, darunter jede Menge Prominenz.

Ohne die 50 Zentimeter hohen Figuren von Hildegard Buchhalter ist die Krippenlandschaft in der St.-Martinus-Kirche im Renninger Stadtteil Malmsheim nicht denkbar. Die im November 2002 im Alter von 91 Jahren gestorbene Künstlerin hat vor allem lebensfrohe Figuren geschaffen, jeden Alters, vieler Berufe. Menschen aus unterschiedlichsten Erdteilen, historische Persönlichkeiten ebenso wie Heilige. Es sind die Details, die das Betrachten der Renninger Figuren lohnenswert macht: das bestickte Seidentäschen und die mit winzigsten Geschenken gefüllten Satteltaschen der Kamele, die Baskenmütze und die kleine Blume am Strohhut, all die Bärte, Zöpfe, Brillen.

Franz Pitzal, der zunächst bei der Gmünder Firma Bidlingmaier zum Uhrmacher ausgebildet wurde, kam als Spätberufener zum Priestertum. Seine Freude an Krippen und seinen Wunsch, diese Freude zu teilen, hat er nie verloren. Durch seine Kinderhilfsprojekte hat der in Leinzell geborene Pitzal Kontakte zu über 70 Ländern, die ihm immer neue Krippen schenken und damit seinen Jugendtraum immer wieder aufs Neue wahr werden lassen.

Die Schöpferin der Krippenfiguren

Rund 400 Figuren hat Frau Hildegard Buchhalter für die Renninger Krippe geschaffen.